1.12. – Veranstaltung: Beugehaft/Carsten

Veranstaltung mit Carsten aus den Magdeburger §129a Verfahren
um 19 Uhr in der Hafen VoKü

Für viele AktivistInnen bedeutet eine drohende Beugehaft, dass sie das erste mal direkt mit der Vorstellung in den Knast zu gehen konfrontiert sind. Klar bei jeder Demo, oder anderen Aktion kann auch was schief gehen und auch da ist
oft Knast im Bereich des möglichen, aber während da die meisten mit der „wird schon alles gut gehen…“ – Mentalität rangehen, rückt hier ein Termin unausweichlich näher. Dann rattert auf einmal der Kopf, was ist damit alles verbunden, was sind die Konsequenzen die daraus entstehen können –
und da gibt es einiges. Kinder, Familie und FreundInnen nicht sehen zu können, der Verlust des Arbeitsplatzes, hält die Liebesbeziehung das aus, Angst vor der Einsamkeit, Angst vor dem Knast u.s.w.. Die eigenen Vorstellungen vom Knast und Knastalltag sind oft sehr wage und lassen einem jede menge Spielraum für die eigene Phantasie, Mensch kennt
schlechte Filme über Knäste und dann gibt es auch noch jede menge Bücher von ehemaligen politischen Gefangenen, aber diese sind meist aus den 80´ern.

Der Druck wächst
Je näher der Termin rückt umso größer wird der Druck. Es ist immer schnell und leicht gesagt „Na klar, verweigere ich die Aussage“, aber so klar ist das alles meist nicht. Jetzt ist ein Umfeld gefragt, wo Mensch sich frei äußern und die eigenen Ängste reden kann. Die Auseinandersetzungen sind wichtig, denn sie schaffen Klarheit. Es ist aber genau so wichtig, sich anzuschauen was passiert, wenn Mensch Aussagen machen will. Wie viel von einem selbst, von seinen eigenen Idealen, von seiner politischen Identität gibt Mensch auf. Oft denken Menschen auch, es wird schon nicht so schlimm und hofft, das die Keule Beugehaft an einem vorbeischrammt, oder die Fragen harmlos sind. Dazu kann Mensch nur sagen, stellt euch immer darauf ein dass der Staat sich seiner Mittel bedient, denn ansonsten würde es sie nicht mehr geben. Außerdem:
-Es gibt keine harmlosen Aussagen
-Es gibt keine banalen Fragen
Wie diese ganze Diskussionen in Magdeburg und bei mir gelaufen sind, wie wir zu dem Ergebnis gekommen sind uns kollektiv zu verweigern und wie wir dann auch mit den Konsequenzen umgegangen sind – darüber werde ich
erzählen…